![]() News Projects Tour Dates Discography Videography Charts Picture Gallery TV Appearances Radio Appearances Magazine Articles eNewsletter The Fan Club Web Links Miscellaneous FAQ Thanks! Index ![]() ![]() |
bobo in white wooden houses Einfach nur eine Songschreiberin zu sein, war Bobo nicht genug. Die Senkrechtstarterin des Jahres 1992 entdeckte nach dem charmanten Folkpop ihres Debuts Bobo in white wooden houses schon auf ihrem zweiten Album Passing Stranger die Sogwirkung des Tanzgrooves. Für ihre neue Platte Cosmic Ceiling ging Bobo noch einen konsequenten Schritt weiter: sie präsentiert sich als elektrifizierte Chanteuse, pendelnd zwischen "warmen" Elektronik-Pop à la The Orb oder OMD und dem gewissen Suzanne-Vega-Feeling. Den letzten Sound-Schliff besorgte bei einigen Songs der Breakbeat-Spezialist und Prodigy-Produzent Neil McLellan in London. Ein Hinterhofstudio im östlichen Londoner Stadtteil Hackney. Unspektakulär. Wände und Decken mit allerlei Hippie-Sternzeichen und Astro-Mustern bemalt, sind die Strongroom Studios doch ein wichtiger Bestandteil moderner, elektronischer Musik made in UK. Prodigy und die Pet Shop Boys produzieren hier. The Orbital haben einen Tüftelraum dauergemietet, und neulich wimmelte das Viertel draußen von aufgeregten Teenie-Girls, weil East 17 sich die Ehre gaben. In diesem musikalischen Ambiente bekommen ein Teil von Bobos feingesponnenen Songs, die in einem anderen Kontext als bestes singer/songwritertum durchgehen würden, ihren letzten Schliff. Little One I'll Miss You, Yellow Moon, Bungee, Cosmic Ceiling und die Single Travel In My Mind wurden von Neil McLellan final gemixt. Die eigentliche Produktion entstand in Berlin, in Bobos eigenem Hinterhofstudio in Prenzlauer Berg. Die Band besteht heute im Kern aus Bobo, dem Gitarristen Olav 'Olsen' Bruhn und als Berater dem Manager Emanuel 'Emu' Fialik. Und alle drei bestätigen, daß die Geschichte mit dem Breakbeat kein Widerspruch ist: "Die Hörgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren sehr geändert. Die Musik in den Kneipen klingt heute grundsätzlich anders als früher, die Rhythmen von Soul II Soul, Massive Attack oder Depeche Mode beeinflussen praktisch jeden." Schon auf Bobos letzter Platte Passing Stranger (1993), einem höchst erfolgreichen Chart-Album, gab es trancige Stücke - trancig nicht im Techno-Sinne - und leichte Anklänge an Breakbeat. Wenn Passing Stranger durchgehend Reisemetaphern verwendete, ist es bei Cosmic Ceiling eher eine bestimmte Atmosphäre, die gesucht und durchgehalten wird. Bobo: "Es sollte nichts bombastisches sein, sondern transparent und luftig, luftig wie die Luft-Sternzeichen. Ich wollte eine 'weibliche Platte' machen..." "Wolkig, mehrdimensional...", springen Emu und Olsen hilfreich ein. - "Ja, genau. Männerplatten sind immer so komplett, so fertig. Ich will aber in meiner Musik Fragen offen lassen, da müssen Löcher sein und Dinge, die die Phantasie beflügeln." Eine echte Band im eigentlichen Sinne ist Bobo in white wooden houses nicht; Bobo versteht sich als autark arbeitendes Einfrau-Unternehmen mit festen Beratern. Das schließt neben Emu und Olsen auch Ingo Vauk und das Produzententeam Bauknex (Moses Schneider, b, progr.; Bernd Lauber, dr, progr.; Stefan Gottwald, keyb, progr.) ein, die je die Hälfte der Songs produziert haben und als Studio- bzw. Tourmusiker die Peripherie der Band bilden. "Uns hat die Idee des dezentralen Aufnehmens fasziniert", erläutert Emu. Diese etwas andere Arbeitsweise wurde Programm für Bobo und ihre Männer. Unabhängig, in Ruhe gereift und ohne Vorgaben, entsteht ihre Musik im eigenen Berliner Studio. Teilweise wurden die Songs sogar zu Hause auf Videoband aufgenommen, weil das Equipment so einfach zu transportieren ist. "Da kann man leicht in unterschiedlichen Räumen arbeiten und verschiedene 'Raumsounds' ausprobieren - all das ist in Cosmic Ceiling eingeflossen." "Bobo ging es weniger darum, ein festes Bandgefüge zu haben, als um eine möglichst moderne Art, ihre Musik aufzunehmen. Am liebsten hätten wir unsere Tapes von einem Musiker zum nächsten geschickt und jeder hätte ein paar seiner Ideen darauf einbringen können. Neil McLellan zum Beispiel kennt sich eher mit Tracks als mit Songs aus; für ihn war das eine neue Erfahrung, die wiederum ungewöhnliche Ideen abwarf." Aber der Reihe nach. Bungee etwa beschreibt Bobos Eindrücke von ihrem Bungee-Sprung und ist eine Metapher für das Glücksgefühl, das einen überfallen kann. Der 180 bpm-Song beginnt mit einem jazzy Walking Bass und erinnert im Arrangement etwa an Stücke der Shiny Gnomes oder Boas Voodooclub. Es gibt feine Rock-Breaks und ziemlich böse Sounds im Hintergrund, die Bobos Aufstieg auf der Leiter und den befreienden Flug nach unten illustrieren. Bungee ist ein Bubblegum-Trasher, den man in der "Raupe" auf der Kirmes hören möchte. "Jetzt müssen wir aber tanzen", sagen Bobo und Olsen, als die ersten Grooves von Yellow Moon durch das kleine Souterrain-Appartment am Russell Square fluten, in dem die drei während ihrer London-Zeit wohnen. Denn Yellow Moon lädt zum Abhotten ein: Bobos Stimme ist weit nach vorn gemischt und klingt wie über Megaphon gesungen, es gibt funky kleine 'Bläser'-Tupfer vom Sampler, eine schöne, kranke Gitarre über einem groovy Background. Schon wird es wieder ruhig, fast andächtig: Little One I'll Miss You ist das, was man gemeinhin als Jazz-Standard bezeichnet. In Bobos herzerweichenden Version wird daraus ein synthetischer Bossa Nova, der von ihrer hohen, zerbrechlichen Stimme geprägt wird. Atmosphärische Bläser und schöne Hall-Räume erzeugen eine angenehme Regentag-Tristesse. Fast noch schöner ist die Beschreibung, die Bobo anbietet: "Eine Mischung aus Astrid Gilberto und Talk Talk." Das Titelstück Cosmic Ceiling singt Bobo sehr vorsichtig und verhalten, sparsam begleitet von einer "Teppichgitarre" (Bobo). Sie singt darin Dinge, die sehr charakteristisch für sie sind. Die erste Single Auskopplung wird Travel In My Mind sein. Ein moderner Clubfloortrack, der trancige Sounds und Sound-Bubbles ("Nachts um 3 mit dem Strohhalm ins Glas geblasen und gesampelt..") mit einer schönen Gesangsmelodie kombiniert. In Violent Room schließlich illustrieren wunderbare, bruchstückhafte Geigenmelodien (die ein chinesischer Straßenmusiker in Berlin beigesteuert hat) ein zögernd vorgetragenes, sprödes und sehr zerbrechliches Stück, das neben der Single, Bungee und Little One I'll Miss You einen der Eckpunkte des Albums markieren. Weitere Songs sind Beloved, Paper Cues, Perl Drops Rain und Sailor's Bride - schöne Titel, die anrührende Geschichten von merk- und denkwürdigen Menschen und Situationen erzählen. Es scheint als hätte Bobo ihre feingesponnenen Träume in die Waagschale geworfen und daraus eine sehr sensible, souveräne, eigenständige, internationale Platte gemacht. Cosmic Ceiling steht momentan in der deutschen Musiklandschaft ziemlich einzigartig dar. Aktuelles Album: cosmic ceiling (Vö: 13.4.95) Copyright Motor Music |